Adipositaschirurgie

Adipositaschirurgie: Wenn das Übergewicht gefährlich wird

Ab einem bestimmten Gewicht gilt ein Mensch nicht mehr als übergewichtig, sondern als fettleibig. In Fachkreisen spricht man hier von Adipositas. Hat ein Patient einen Body-Mass-Index (BMI) von mehr als 30 Kilogramm pro m² erreicht, befindet er sich im kritischen Adipositas-Bereich. Ist solch ein Gewicht erst einmal erreicht, ist die Gewichtsreduktion auf normalem Wege, also durch Sport und gesunde Ernährung beziehungsweise durch eine Diät, nur noch schwer möglich. Für derartige Fälle wurde die sogenannte Adipositas-Chirurgie entwickelt, um Menschen mit Fettleibigkeit zu helfen.

Wie entsteht Adipositas und was sind die Symptome?

Adipositas tritt insbesondere dann auf, wenn über Jahre hinweg sehr ungesund und zu viel gegessen wurde. Eine erhöhte Zufuhr an gesättigten Fetten wurde als eine der Hauptursachen analysiert. Zusätzlich spielt ein signifikanter Mangel an Vitaminen und Mineralstoffen eine entscheidende Rolle. Adipositas-Patienten leiden unter lebensgefährlichen Krankheiten, wie Herz-Kreislaufschwächen, Diabetes, Stoffwechselstörungen und Bluthochdruck.

Ohne eine Behandlung der Fettleibigkeit und einer starken Reduzierung des Körperfettanteils ist das Sterberisiko sehr hoch. Zusätzlich ist die psychologische Belastung nicht zu vernachlässigen. Denn aufgrund der Adipositas ziehen sich viele Menschen aus dem gesellschaftlichen Leben zurück. Das geringe Selbstwertgefühl und Mobbing führt nicht selten zu schweren Depressionen.

Adipositas-Chirurgie als Ausweg

Adipositas aus eigener Kraft besiegen, ist so gut wie unmöglich. Spezielle chirurgische Eingriffe sind nötig, um den Patienten zu helfen. Hierfür haben Mediziner verschiedene Techniken entwickelt.

Magenballon

Eine besonders sanfte Methode der Adipositas-Chirurgie ist der Magenballon. Hierbei handelt es sich nicht um eine operative Methode. In einer ambulanten Behandlung wird ein Ballon, der mit Kochsalzlösung gefüllt ist, über die Speiseröhre in den Magen eingesetzt. Der Effekt: Da der Ballon einen großen Teil des Magens füllt, kann nur noch weniger Nahrung zugeführt werden. Der Patient ist einfach schneller satt und nimmt so an Gewicht ab. Diese Methode weist die geringsten Risiken auf, da es sich um eine non-invasive Methode handelt.

Jedoch klagen die meisten Menschen nach dem Eingriff über massive Bauchschmerzen, die sogar noch einige Tage nach dem Eingriff bestehen bleiben. Auch Übelkeit und Dehydration können auftreten. Die medizinische Wirkung des Magenballons ist zudem nicht eindeutig bestätigt. Oft wird er jedoch als Vorbehandlung für eine der weiteren beiden Adipositas-Chirurgie-Methoden genutzt.

Magenband

Die am häufigsten eingesetzte Technik in der Adipositas-Chirurgie ist das Magenband. Hierbei wird dem Patienten ein Band aus Silikon um den Magen gewickelt, welches den Durchmesser des Magens verringert. So kann der Patient weniger Nahrung zu sich nehmen und damit sein Gewicht auf langfristige Sicht verringern. Dieses Band kann ohne erneuten chirurgischen Eingriff erweitert oder verengt werden, indem Flüssigkeit über einen Port am Brustkorb ab- oder zugeführt wird. So kann der Magendurchmesser vergrößert oder verkleinert und der Effekt damit verändert werden.

Die Wirksamkeit des Magenbandes ist mit Studien belegt. So beträgt die Gewichtsreduktion durchschnittlich 16 Prozent. Zusätzlich fühlen sich die Patienten durch die Gewichtsabnahme in Ihrem Selbstwertgefühl gestärkt und sind weniger von Depressionen geplagt. Auch eine Verringerung von Schlafapnoe ist die Folge, da die Atemwege durch das geringere Gewicht weniger belastet sind.

Magen-Bypass

Eine weitere Methode der Adipositas-Chirurgie ist der Magen-Bypass. Dieser ist mit dem größten Risiko verbunden, bietet jedoch auch die größten und schnellsten Erfolgschancen. Der Magen-Bypass, auch Roux-en-Y-Magenbypass genannt, bedarf einer umfangreichen Operation. Während dieser OP wird dem Patienten ein verkleinerter Magen, ein sogenannter Magenpouch, angelegt. Der Magen wird dabei in zwei ungleiche Teile zerlegt. Der kleinere Teil dient nun als „neuer“ Magen. Der übrige größere Teil wird verschlossen und verbleibt neben dem Magenpouch im Körper des Patienten.

Die besondere Herausforderung dieses Eingriffs ist die Verbindung des Magenpouchs mit dem Dünndarm. Der Dünndarm wird dazu ebenfalls durchgetrennt und mit dem Magenpouch verbunden. Der alte Magen besitzt dabei weiterhin eine Verbindung zum Dünndarm, falls zu einem späteren Zeitpunkt der „normale“ Zustand hergestellt werden soll.

Der Magen-Bypass stellt also eine komplette Umstellung der Verdauung dar. Der Magen hat nun sehr viel weniger Volumen für die Aufnahme von Nahrung zur Verfügung. Übermäßiges Essen kann somit ausgeschlossen werden. Der zweite Effekt ist, dass die Nahrungsmittel erst sehr viel später auf Verdauungssäfte treffen und damit weniger Zeit für die Verdauung zur Verfügung steht.

Klinische Studien belegen, dass rund 40 Prozent der aufgenommen Nahrung unverdaut wieder ausgeschieden wird. Da es sich jedoch um einen schwerwiegenden Eingriff handelt, muss der Patient mit Nebenwirkungen rechnen. Insbesondere das sogenannte Dumping-Syndrom ist eine Gefahr. Da die Nahrung quasi unverdaut in den Dünndarm gelangt, kommt es zu einer Dehnung der Darmwand, da unverdaute Nahrung ein größeres Volumen besitzt als verdaute Nahrung. Dies hat Übelkeit, Erbrechen und Kreislauf-Probleme zur Folge. Aus diesem Grund sollten nur kleine Mahlzeiten eingenommen und langsam gegessen werden. Auch der Verzicht auf Getränke während des Essens ist ratsam, um das Dumping-Syndrom zu umgehen.

Je nach Stadium der Adipositas ist die eine oder andere Methode vorzuziehen. Steht die Erkrankung noch am Anfang, kann ein Magenband oder -ballon reichen. Bei einem BMI größer als 40 ist ein Magen-Bypass meist der letzte Ausweg.

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