Magenballon: Künstliches Völlegefühl mit einem Magenballon

Wer stark übergewichtig ist, wird sich früher oder später auch mit dem Thema Magenballon auseinandersetzen. Was genau muss man sich darunter vorstellen, wie kann ein solcher Magenballon beim Abnehmen helfen, und mit welche Nachteile muss man möglicherweise in Kauf nehmen?

Stark übergewichtige Menschen haben größte Probleme, ihr Gewicht zu halten oder gar zu verringern. Essstörungen, unkontrollierte Essattacken und mangelndes Hungergefühl verhindern es, zu einem normalen Essverhalten zurückzufinden. Dies bedingt einen wahren Teufelskreis, denn aus Frust greift man zum nächsten Happen. In ihrer Verzweiflung sehen viele adipöse Menschen den letzten Ausweg in einer Operation.

In der Adipositas-Chirurgie werden unterschiedliche Verfahren angewendet, um übergewichtige Menschen beim Abnehmen zu unterstützen. Einige dieser Eingriffe finden direkt am Magen statt. Allen diesen Eingriffen gemeinsam ist die Verringerung des Magenvolumens. Während beim Magenband der Magen durch ein Silikonband von außen verengt wird, wird beim Magenballon der Magen künstlich gefüllt, so dass er weniger Nahrung aufnehmen kann.

So wird ein Magenballon eingesetzt

Der Eingriff erfolgt im Rahmen einer Magenspiegelung. Eine Vollnarkose ist deshalb nicht erforderlich. Der Patient wird lediglich in einen kurzen Dämmerschlaf versetzt. Anschließend wird der zunächst noch eng zusammengefaltete Ballon durch die Speiseröhre in den oberen Teil des Magens eingeführt. Dann wird er mit einer sterilen, ungefährlichen und blau gefärbten Kochsalzlösung gefüllt. Insgesamt werden, je nach Patient, etwa 400 bis 700 ml Flüssigkeit in den Ballon eingefüllt. Dadurch ist der Magen nun dauerhaft ausgefüllt, so dass er weniger Nahrungsmenge aufnehmen kann. Durch das Gewicht der Kochsalzfüllung wird das Völlegefühl zusätzlich verstärkt.

Je nach Klinik werden auch luftbefüllte Magenballons verwendet. Diese sind jedoch nicht ganz unproblematisch. Sollte der Ballon beschädigt werden, tritt die Luft aus, ohne dass dies bemerkt wird. Im günstigsten Fall bleibt dann der gewünschte Effekt aus. Im schlimmsten Fall kommt es zu einem lebensbedrohlichen Darmverschluss, so dass eine Not-OP erforderlich wird. Bei einer Kochsalzfüllung lässt sich das Problem eines undichten Magenballons dagegen bereits an der blauen Farbe des Urins erkennen, so dass schnell gehandelt werden kann.

Bereits kurze Zeit nach dem Eingriff ist der Patient wieder bei vollem Bewusstsein. Allerdings darf er sich aufgrund der vorangegangenen Narkose nicht gleich wieder ans Steuer setzen. Die gesamte Prozedur dauert etwa 20-25 Minuten und kann ambulant durchgeführt werden. In den ersten Tagen nach dem Eingriff kommt es häufig zu Unwohlsein, Übelkeit und Erbrechen, ähnlich wie bei einer Magenverstimmung. Dies wird in der Regel aber medikamentös behandelt.

Der Magenballon verbleibt bis zu sechs Monaten im Magen des Patienten. Im Allgemeinen kann man eine Gewichtsreduktion von 15 bis 30 Kilo erwarten. Diese Zahlen sind jedoch mit Vorsicht zu genießen, da die tatsächliche Gewichtsreduktion von individuellen Faktoren und dem Begleitprogramm (Ernährungsberatung, Bewegungsprogramm) abhängen. Insgesamt gesehen steigt die Abnehmkurve anfangs stark an und flacht dann auch schnell ab. Das meiste Gewicht wird in der Anfangszeit abgebaut, während in der Folgezeit dann nur noch relativ wenig Gewicht reduziert wird.

Entscheidend für die Gewichtsreduktion ist jedoch nicht nur die Umstellung der Ernährungsgewohnheiten, sondern auch das Bewegungsprogramm. Gängige Ausdauersportarten wie Joggen, Crosstrainer, Schwimmen, Radfahren oder Nordic Walking sind mit einem Magenballon problemlos möglich. Aber auch intensivere Sportarten wie Tauchen oder sogar Boxen sind damit möglich. Im Hinblick auf das Tauchen sollte man allerdings die Hinweise des Magenballon-Herstellers beachten, da der Magenballon nur für eine gewisse Tauchtiefe geeignet ist.

Der Magenballon wird auf dem gleichen Weg entfernt, wie er eingesetzt worden ist. Zunächst wird er zum Platzen gebracht, damit die Flüssigkeit ablaufen kann. Anschließend wird er durch die Speiseröhre wieder aus dem Magen gezogen.

Für wen eignet sich ein Magenballon, und was kostet er?

Als wichtigster Indikator für das Einsetzen eines Magenballons gilt ein BMI von etwa 28 bis 40. Er eignet sich besonders für Menschen, bei denen ein Magenband oder ein Magen-Bypass noch nicht sinnvoll erscheint. Ein Magenballon kommt nur in Betracht, wenn der Magen des Patienten gesund ist. Es dürfen keine Magengeschwüre vorliegen, aber auch keine Fehlbildungen des Magens oder der Speiseröhre. Bei schweren Essstörungen wie Bulimie wird kein Magenballon gesetzt. Auch wer Medikamente zur Hemmung der Blutgerinnung einnimmt, muss auf einen Magenballon verzichten.

Die Kosten für eine Magenballon-OP belaufen sich je nach Klinik zwischen etwa 2.500 und 4.000 Euro. Darin enthalten sind sowohl das Einbringen als auch das spätere Entfernen des Magenballons.

Nicht immer übernehmen die Krankenkassen oder Zusatzversicherungen diese Kosten. Entschieden wird dabei von Fall zu Fall. Kriterien sind unter anderem, inwieweit klassische Abnehmmethoden wie Diät und Bewegungstherapie bislang erfolglos geblieben sind.

Vor- und Nachteile eines Magenballons

Vorteile

  • Der Eingriff erfolgt ambulant mit einer kleinen Narkose. Dies verringert die OP-Risiken. Ein Krankenhausaufenthalt ist in der Regel nicht erforderlich ist. Dies wiederum verringert den Aufwand und die Kosten.
  • Da keine OP erfolgt, bleiben auch leine Narben.
  • Auch die gesundheitlichen Risiken halten sich in Grenzen, besonders bei einem Magenballon mit Kochsalzfüllung, wie oben beschrieben.

Nachteile

  • Grundsätzlich soll der Magenballon dazu führen, dass bereits nach geringen Nahrungsmengen ein Sättigungsgefühl eintritt. Dies ist jedoch nicht immer der Fall. Adipöse Menschen haben oft das Problem, dass sie kein echtes Sättigungsgefühl verspüren. Das natürliche Sättigungsgefühl wahrzunehmen muss deshalb mit zusätzlicher Hilfe neu trainiert werden.
  • Der Jo-Jo-Effekt lässt sich deshalb auch nur vermeiden, wenn ein entsprechendes Begleitprogramm zur Unterstützung der Therapie angeboten wird. Anders formuliert: Der Magenballon ist nicht das Heilmittel, sondern eine mechanische Hilfe beim Neuerlernen eines natürlichen Ess- und Bewegungsverhaltens.
  • Bei dauerhafter Refluxösophagitis (Sodbrennen, Aufstoßen) besteht Gefahr für die Speiseröhre und die Zähne, da die Magensäure diese Organe angreift.

Wenn Sie sich mit dem Gedanken tragen, sich einen Magenballon einsetzen zu lassen, sollten Sie sich ausführlich mit Ihrem Hausarzt und Ihrer Krankenkasse beraten und eine vertrauenswürdige Klinik empfehlen lassen. Denken Sie auch daran, dass Sie zumindest für die Rückfahrt einen Fahrer benötigen, da Sie nach der Narkose nicht selbst Autofahren dürfen.

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