Magenband: Korsetteffekt durch ein Magenband

Im Zusammenhang mit operativen Eingriffen bei starkem Übergewicht taucht immer wieder der Begriff Magenband auf. Doch was ist das genau, wie funktioniert es, und kann es wirklich beim Abnehmen helfen?

Stark übergewichtige Menschen haben oft schon eine lange, leidensvolle Diätkarriere hinter sich. Unzufriedenheit, Frustration, das Gefühl des persönlichen Versagens und Verzweiflung sind nicht selten die Begleiter und Folgen solcher Dauermisserfolge. So sehen viele nur noch einen Ausweg, ihre meist unkontrollierten Essattacken einzudämmen: einen operativen Eingriff. Die bekannteste Methode ist dabei das Magenband.

Der Name lässt bereits vermuten, was es damit auf sich hat. Im Rahmen einer relativ unproblematischen, etwa 2-stündigen Operation wird ein weiches Plastikband um den Magen gelegt. Dieses engt den Magen ein, ähnlich wie ein Korsett. Feste Speisen haben es dadurch sehr viel schwieriger, diese enge Passage zu überwinden. Tatsächlich kann ein zu hastiges Schlingen von fester Nahrung sogar dazu führen, dass der Patient sich erbricht. Da der durch das Magenband entstandene „Vormagen“ vergleichsweise schnell gefüllt ist, tritt auch das Sättigungsgefühl früher ein.

Dadurch wird mittel- bis langfristig auch eine Gewichtsabnahme eintreten. Im Schnitt kann man dabei von etwa 16 Prozent des ursprünglichen Gewichts ausgehen. Bei einem Ausgangsgewicht von 150 kg wären dies etwa 24 kg. Es wird aber auch von Gewichtsreduktionen um etwa 50 bis 60 Prozent gesprochen.

Promis mit Magenband

  • Diego Maradonna – Der argentinische Fußballer brachte 120 Kilo auf die Waage, bei gerade einmal 165 cm Körpergröße. Dank Magenband konnte er in 8 Wochen 33 Kilo abspecken.
  • Artemis Gounakis – Der Vocalcoach aus der Castingshow Popstars konnte mit Hilfe eines Magenbandes innerhalb von 2 Jahren von 140 Kilo auf 68 Kilo reduzieren. In ihrem Buch „Wie jede Diät versagt“ schildert sie ihre Erfahrungen.

Vor- und Nachteile von einem Magenband

Soweit die Theorie. Leider sieht die Praxis nicht ganz so rosig aus. Hier die Vor- und Nachteile im Überblick:

Vorteile

  • Der Magenbandpatient wird „gezwungen“, seine Nahrung besser zu zerkleinern. Dies fördert auch die Verdauung und die Aufnahme der in der Nahrung enthaltenen Nährstoffe.
  • Die OP ist reversibel, das heißt das Magenband kann auch wieder entfernt werden.
  • Der Eingriff erfolgt meist minimalinvasiv. Vier kleine Schlüssellöcher genügen bereits, um das Magenband anzulegen. Damit werden auch die Risiken einer Narkose und OP vermindert, die bei Übergewichtigen sehr viel größer sind. Hinzu kommt, dass der Patient bereits nach wenigen Tagen wieder nach Hause kann.
  • Das Magenband ist verstellbar und kann bei Bedarf auch ohne weitere OP gelockert werden.
  • Magenbänder können auch bei extrem adipösen Kindern eingesetzt werden. Laut Erfahrungsberichten ist eine Reduzierung des BMI von 50 auf 30 durchaus realistisch.

Nachteile

  • Ein eigentlicher Lernprozess findet eher weniger statt. Die Chance, dass der Patient nach Entfernung des Magenbandes zu einem normaleren Essverhalten gelangt, ist deshalb eher gering. Viele Patienten nehmen deshalb nach Entfernen oder Lockern des Magenbandes wieder zu. Deshalb verbleibt es auch bei den meisten Patienten mehrere Monate bis lebenslang im Körper.
  • Das Magenband hat nicht immer den gewünschten Einfluss auf das Hungergefühl, das bei stark übergewichtigen Personen ohnehin schon nur schlecht funktioniert.
  • Das Magenband verhindert nicht, dass fett- und zuckerhaltige Weichspeisen (Brei, Pudding) und Flüssigkeiten konsumiert werden. Es besteht sogar die Gefahr, dass diese Produkte verstärkt zugeführt werden, da sie das Magenband passieren, ohne dass es zu Druckgefühlen oder Schmerzen kommt.
  • Bei Menschen mit Esssucht können sogar Entzugserscheinungen auftreten.

Risiken und Nebenwirkungen

Daneben sollten aber auch einige Risiken nicht verschwiegen werden:

  • Auch wenn es sich um eine minimale OP handelt, wird diese in Vollnarkose durchgeführt. Für den stark übergewichtigen Patienten bleibt damit immer noch ein deutlich erhöhtes Risiko im Vergleich zu einem normalgewichtigen.
  • Wird, etwa aus alter Gewohnheit, ein zu großer Brocken verschlungen, kann der durch das Magenband verengte Magendurchgang verschlossen werden.
  • Häufiges Erbrechen schadet der Speiseröhre und den Zähnen, da die Magensäure diese Organe angreift.
  • Wenn das Magenband verrutscht, ist eine erneute OP erforderlich.

Was kostet ein Magenband, und wer zahlt?

Ein weiterer wichtiger Gesichtspunkt ist die Kostenfrage. Eine Magenband-OP kostet etwa 4.000 Euro. Viele Krankenkassen übernehmen mittlerweile unter bestimmten Bedingungen eine Magenband-OP. Voraussetzung ist ein entsprechend hoher BMI (etwa 35 bis 40). Oft werden noch andere gesundheitliche Dispositionen des Patienten mit berücksichtigt.

Insgesamt gesehen kann ein Magenband eine Hilfe sein für Patienten, die ihr Essverhalten nicht durch Willenskraft alleine steuern können. Allerdings sollte die Therapie mit einer Ernährungsberatung, einem Sportprogramm und einer psychotherapeutischen Betreuung gekoppelt werden. Nur so kann der Patient lernen, die psychischen Ursachen seines Essverhaltens aufzuarbeiten, ein neues Essverhalten zu entwickeln und damit insgesamt ein neues, positives Körper- und Lebensgefühl aufzubauen.

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