Magenbypass: Durch Umleitung zur Gewichtsabnahme

Anders als ein Magenballon oder ein Magenband stellt ein Magen-Bypass einen massiven operativen Eingriff in den Verdauungstrakt dar. Bei sehr starkem Übergewicht kann der Magen-Bypass allerdings die mangelnde Eigenkontrolle ersetzen.

Der Begriff Bypass ist vielen Menschen zumindest vom Hörensagen bekannt. Allerdings wird er meist im Zusammenhang mit Herzproblemen verwendet. Dort werden verengte oder verschlossene Herzkranzgefäße umgangen, so dass die Blutversorgung des Herzens wieder sichergestellt ist.

Generell ist ein Bypass nichts anderes als eine Umgehung. Dabei wird am Startpunkt der problematischen Passage eine Umleitung gelegt, die dann bis zum Ende der Problemstrecke geführt wird. Im Grunde also nichts anderes als eine Verkehrsumleitung, nur dass sie im Körper des Patienten stattfindet und dass hier keine Autos, sondern zum Bespiel das Blut umgeleitet wird.

Im medizinischen Bereich kann ein Bypass überall dort sinnvoll und erforderlich werden, wo eine Passage überbrückt werden soll. Entweder ist der Transport auf dem ursprünglichen Weg nicht mehr möglich, etwa bei einer Arterienverkalkung, oder nicht erwünscht. Genau dies ist der Fall bei einem Magenbypass. Die Nahrung wird nicht mehr durch den eigentlichen Magen geführt, sondern praktisch an ihm vorbei. Wer sich ein wenig mit den Prozessen bei der Verdauung auskennt, weiß, dass dies nicht ganz unproblematisch ist. Dazu gleich noch mehr.

Um den Magen herum

Im Rahmen einer Vollnarkose wird der Magen kurz unterhalb der Speiseröhre abgetrennt, so dass nur noch ein kleiner, etwa pflaumengroßer Teil des oberen Magens als Restmagen verbleibt. In einem nächsten Schritt wird der Dünndarm durchtrennt. Der Restmagen wird nun mit dem Ende des Dünndarms verbunden. Dadurch wird auch der Zwölffingerdarm umgangen, der maßgeblich für die Aufnahme des verzehrten Fettes verantwortlich ist. Die für die Verdauung erforderlichen Säfte aus Magen, Galle und Bauchspeicheldrüse werden erst in diesem Dünndarmabschnitt mit der Nahrung zusammengeführt.

Dies hat nun mehrere Auswirkungen:

  • Das Fassungsvermögen des Magens wird erheblich verringert. Es beträgt nun gerade noch etwa 20-40 ml.
  • Der Weg zum Dünndarm wird verkürzt.
  • Da die Verdauungssäfte erst später mit der Nahrung zusammentreffen, wird die Fettverdauung erheblich eingeschränkt. Dadurch werden etwa 40 Prozent des über die Nahrung aufgenommenen Fetts nicht mehr vom Körper verwertet und einfach wieder ausgeschieden.
  • Die Verwertung von Zucker ist ebenfalls gestört. Der Konsum von gesüßten Produkten (etwa Getränken wie Limonade) führt beim Patienten zu Schweißausbrüchen, Übelkeit bis zum Erbrechen und Durchfall aus (sogenanntes Dumping-Syndrom). Dies ist durchaus gewollt, da bei Adipositas-Patienten die Fettleibigkeit häufig durch Süßspeisen und Süßgetränke verstärkt wird.

Risiko-OP

Die OP ist durchaus riskant. Alleine schon die Narkose stellt für stark übergewichtige Menschen ein erhöhtes Risiko dar. Selbst wenn man sich in die Hände eines sehr erfahrenen Chirurgen begibt, liegt das Risiko, während der OP zu sterben, bei 3 Promille. Das bedeutet, dass 3 von tausend Patienten die OP nicht überleben. Bei weniger erfahrenen Kliniken dürfte das Risiko sogar noch viel größer sein. In der Regel wird die OP klassisch durchgeführt. Nur wenige Klinken führen sie auch laparoskopisch durch, also durch minimale Einschnitte in der Bauchdecke. In Deutschland wird dies z.B. in dem Krankenhaus Sachsenhausen (bei Frankfurt/M) praktiziert. Nach einer Magen-Bypass-OP können Blutungen und Narbenrisse auftreten, die ebenfalls wieder operativ versorgt werden müssen.

Von der Essstörung zu den Esseinschränkungen

Der Patient muss nach der OP erst allmählich wieder an einigermaßen normale Nahrung herangeführt werden. Der Weg geht wie üblich über zunächst flüssige und später pürierte Nahrung. Nach vier Wochen kann man wieder feste Nahrung zu sich nehmen, allerdings mit starken Einschränkungen:

  • Miniportionen – Da der Magen stark verkleinert wurde, passt auch nicht mehr so viel hinein. Selbst eine „normale“ Portion ist schon zu viel.
  • Gut durchkauen – Grundsätzlich muss die Nahrung gut durchgekaut werden. Während „Normalesser“ dies ohnehin berücksichtigen, müssen Magen-Bypass-Patienten dies neu lernen.
  • Nicht gleichzeitig essen und trinken
  • Verzicht auf fleischhaltige Nahrung, etwa Steaks
  • Verzicht auf Rohkost und Salat
  • Verzicht auf schwer verdauliche Speisen
  • Verzicht auf CO2-haltige Getränke
  • Nahrungsergänzungsmittel – Um einer Mangelernährung vorzubeugen, müssen über Nahrungsergänzungsmittel u.a. Vitamine, Eisen und Calcium regelmäßig zugeführt werden
  • Auf Süßigkeiten und gesüßte Getränke muss aufgrund des oben beschriebenen Dumping-Syndroms verzichtet werden.

Pro und Kontra Magen-Bypass

Vorteile

  • Im Gegensatz zu anderen Magen-OPs wie Magenband oder Magenballon scheint ein Magen-Bypass tatsächlich das Hungergefühl zu stoppen. Möglicherweise liegt dies daran, dass entsprechende Sattmacherhormone im Darm ausgeschüttet werden.
  • Mit dem Magen-Bypass können stark adipöse Menschen sehr viel Gewicht reduzieren.
  • Ein Mogeln durch den Verzehr von süßen Getränken und Weichspeisen wie Pudding oder Eiscreme ist hier ausgeschlossen.
  • Offensichtlich führt die Magen-Bypass auch dazu, dass sich die Blutzuckerwerte drastisch verbessern. Dies könnte auch eine Chance für stark übergewichtige Diabetes-Patienten darstellen.

Nachteile

  • Die OP ist riskant.
  • Die Umstellung der Ernährungsgewohnheiten ist enorm und fordert dem Patienten einiges ab.
  • Gefahr der Mangelernährung

Es gibt also durchaus gute Gründe, sich für einen Magenbypass zu entscheiden. Allerdings sollte die Entscheidung gut überlegt sein, denn die OP-Risiken und die späteren Einschränkungen in der Ernährung sind enorm. Allerdings ist eine massive Adipositas auch nicht unbedingt der beste Dauerzustand. Für viele stark übergewichtigen Menschen, die alleine nicht aus der Essfalle herausfinden, ist ein Magen-Bypass deshalb die ultima ratio.

Verfasst von Keyvan Haghighat Mehr