Magenverkleinerung: Weniger Platz, schneller satt

Eine Magenverkleinerung erscheint vielen Übergewichtigen als plausible Möglichkeit, gegen Esslust und Übergewicht anzukämpfen. Doch die aufwändige OP ist riskant, und der erwünschte Effekt tritt nicht immer ein.

Eine Magenverkleinerung bedeutet genau das, was man sich darunter vorstellt: Ein Teil des Magens wird entfernt. Der zurückgebliebene Restmagen erfüllt weiterhin seine Funktion. Da er kleiner ist als der ursprüngliche Magen, passt auch nicht mehr so viel Nahrung hinein. Also wird auch weniger gegessen, und weniger essen bedeutet abnehmen. Diese Logik kennt jeder, der schon einmal eine Diät gemacht hat. Doch während bei einer Diät die Nahrungsmenge durch Vorschriften reduziert wird, ergibt sich der „FdH-Effekt“ hier aus den operativ geschaffenen Fakten.

Schnipp, schnapp, Magen ab

Ein Magen hat normalerweise ein Volumen von 1,5 bis 2 Litern. Bei einer Magenverkleinerung (Sleeve-Gastrektomie) werden bis zu 80 Prozent des ursprünglichen Magens entfernt. Der verbleibende Rest wird zu einem schlauchartigen Gebilde vernäht. Dieser Restmagen fasst nur noch etwa 100 bis 150 ml – das ist etwas mehr, als in eine normale Kaffeetasse passt, oder ein halber Kaffeebecher. Oder ein Becher Joghurt.

Während beim Magen-Bypass der nicht mehr benötigte Magen im Körper verbleibt, wird bei der Schlauchmagen-OP der weggeschnittene Magenanteil wird aus dem Körper entfernt. Doch das Entfernen des Magens hat nicht nur Auswirkungen auf das Fassungsvermögen. In den Magenzellen wird auch das Hungerhormon Ghrelin produziert. Und weniger Magen bedeutet somit auch weniger Ghrelin, und damit auch vermindertes Hungergefühl. Doch für Adipositas-Patienten ist dies nur bedingt hilfreich. Da sie nicht aus echtem Hungergefühl essen, sondern aus einer Sucht heraus oder aufgrund von Heißhungerattacken, müssen sie erst einmal wieder lernen, auf die Signale ihres Körpers zu hören.

Bei der OP versucht man im Übrigen, die Physiologie des Magens zu erhalten. Er hat zwar anschließend eher eine Schlauchform, doch eine Endoskopie des Magens und des Zwölffingerdarms (Duodenums) ist nach wie vor möglich – eine wichtige Perspektive für Schlauchmagen-Patienten.

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Es leuchtet ein, dass eine Magenverkleinerung nicht ambulant durchgeführt wird. Die OP ist zwar nicht sehr aufwändig, findet aber unter Vollnarkose statt und ist im Gegensatz zur Magen-Bypass-OP irreversibel. Ein einmal weggeschnittener Magen kann nicht wieder angenäht werden.

Magen-Bypass und kosmetische Korrekturen

Je nach Disposition des Patienten kann es zu einer späteren Zeit sinnvoll und erforderlich sein, in einem zweiten Schritt einen Magen-Bypass anzulegen.

Die enorme Gewichtsabnahme, die mit einer Magenverkleinerung und auch einem Magen-Bypass verbunden ist, führt dazu, dass nach etwa zwei Jahren eine plastische Korrektur der Bauchdecke durchgeführt werden sollte. Der Patient selbst sollte zwischenzeitlich unterstützend Sport treiben, um dem Muskelabbau entgegenzuwirken und die Körperform zu verbessern.

Schlauchmagen-Patienten können nach einer gewissen Karenzzeit wieder „normal“ essen. Normal bedeutet in diesem Fall, dass sie im Grunde auf nichts explizit verzichten müssen. Einschränkungen wie beim Magen-Bypass gibt es keine. Allenfalls auf Kohlensäure (Mineralwasser, Limonade etc) sollte verzichtet werden, um den Magen nicht unnötig zu dehnen.

Da der Patient normale Kost zu sich nehmen kann, besteht in der Regel keine Gefahr der Mangelernährung. Dies muss aber im Einzelfall überprüft werden anhand der individuellen Nahrungsmengen und Nahrungsmittel. Gegebenenfalls können über Nahrungsergänzungsmittel Vitamine, Mineralstoffe, Calcium und Eisen zugeführt werden. Besonders zu beachten ist dabei eine ausreichende Versorgung mit Vitamin B12 (Cobalamin), das wichtig ist für die Blutbildung, Zellteilung und Nervenfunktionen.

Die Kosten für eine Magen-Verkleinerung werden wie bei den anderen adipositaschirurgischen Eingriffen nach Einzelfallentscheidung von der Krankenkasse übernommen. Voraussetzung ist auch hier ein BMI von mindestens 40 oder ein BMI von 35 mit Folgeerkrankungen. Wichtig bei der Entscheidung ist auch, ob andere Maßnahmen (Diäten etc) erfolglos waren. Offensichtlich sind aber hier, wie auch bei anderen OP-Formen, Tendenzen zu einem OP-Tourismus zu erkennen. Adipöse Menschen, denen die entsprechende OP von ihrer Krankenkasse nicht genehmigt bekommen, lassen sich auf eigene Kosten in Osteuropa operieren. Dort kostet eine Schlauchmagen-OP etwa die Hälfte von dem, was in Deutschland verlangt wird.

Pro und Kontra Schlauchmagen

Vorteile

  • Weniger Hungerhormon Ghrelin, dadurch weniger Hunger
  • Normale Kost verträglich

Nachteile

  • Irreversible OP
  • Gefahr der Mangelernährung
  • evtl. spätere OPs (Magen-Bypass, plastische Chirurgie)

Insgesamt gesehen ist eine Magenverkleinerung ein drastischer und irreversibler Schritt, der wohl überlegt sein will. Der Operation sollten ausführliche Gespräche mit dem Hausarzt, dem Facharzt und der Krankenkasse vorausgehen. Im Anschluss an die OP sollten ein Ernährungsprogramm und ein Bewegungsprogramm helfen, das Leben neu zu gestalten. Auch eine psychotherapeutische Unterstützung wäre sinnvoll, um die Ursachen der Esssucht aufzuarbeiten und künftige Ess- und Diätfallen zu vermeiden. Sofern eine spätere Magen-Bypass-OP ansteht, sollte dies frühzeitig in den medizinisch-therapeutischen Überlegungen und Hilfsangeboten berücksichtigt werden.

Verfasst von Keyvan Haghighat Mehr